Initiative „Gamserleben“

Beobachtungspunkt: Warmatsgund, Forstebtrieb: Sonthofen

Der Beobachtungspunkt liegt in unmittelbarer Nähe zur Kühgundhütte im Ski- und Wandergebiet Fellhorn und ermöglicht Einblick in einen typischen Sommerlebensraum der Gams. Auf dem Beobachtungspunkt ist man zu allen vier Seiten von Gamswildlebensraum umgeben.

Der Beobachtungspunkt ist insbesondere gut mit der Fellhornbahn und einem anschließenden, landschaftlich attraktiven ca. 1-stündigen Fußweg von der Fellhornbahn-Bergstation aus bis zur Kühgundhütte zu erreichen. Von dort ist es noch ein kurzer Weg von etwa 2 Minuten zum Beobachtungsplatz. Alternativ können Wanderbegeisterte den Punkt komplett zu Fuß über einen Wanderweg zu erreichen. Der Fußmarsch vom Parkplatz der Fellhornbahn Talstation in Faistenoy aus nimmt etwa 2 Stunden in Anspruch.

Der Weg ist bei beiden Varianten ein normaler Gebirgswandersteig. Er geht über Teer- und Schotterwege, aber auch über Wurzeln und Felsen, festes Schuhwerk wird daher empfohlen.

Am Beobachtungspunkt laden bequeme Holzbänken zum Ausruhen ein. Eine Informationstafel informiert zum Thema Gams und anderen vorkommenden Tierarten. Mit der fest installierten Beobachtungsoptik können Sie Ihr Glück versuchen… Vielleicht entdecken Sie auch den König der Alpen, den Steinbock.

Beste Beobachtungsmöglichkeiten bestehen in der Hauptwandersaison von Mai bis November.

PRESSEINFORMATIONEN

Nutzen und Schützen – Im Wald kein Widerspruch

Biotopbuche im Stixnerwald. (Foto: BaySF/Rainer Ruf)

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Totholzbuche mit Zunderschwämmen im Großholz. (Foto: BaySF/Rainer Ruf)

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Sonthofen, 19.04.2021 – Die Bayerischen Staatsforsten haben den Auftrag, den Staatswald allumfassend zu betreuen. Dazu gehört auch, Bäume zu fällen für den nachhaltigen, regionalen Rohstoff Holz. Der Waldnaturschutz spielt dabei eine gleichgroße Rolle. „Nutzen und schützen auf der gleichen Fläche, das ist unser integrativer Ansatz“, erklärt Sonthofens Forstbetriebsleiter Jann Oetting.

Zur Umsetzung der Waldbau- und Naturschutzziele im bayerischen Staatswald werden die Waldbestände vor jeder geplanten Holznutzung vom zuständigen Revierförster entsprechend begangen und vorbereitet. „Jeder für die Holzernte vorgesehene Baum wird von uns ausgezeichnet, also farblich i.d.R. in Rot markiert“ berichtet Förster Rainer Ruf. „Dabei achten wir besonders auf vorhandene Biotopbäume. Diese wollen wir erhalten und deshalb werden die bei uns mit einer gelben Wellenlinie markiert. Bei der Holzernte werden sie dann nicht versehentlich gefällt oder beschädigt“, so Förster Ruf weiter.

Biotopbäume sind lebende Bäume mit z.B. Specht- oder Faulhöhlen. Auch hohle oder angemorschte Bäume, solche mit abgebrochenen Kronen oder Zwieseln, lebende Baumstümpfe, teilweise abgestorbene Individuen, auch Bäume mit Pilzbefall oder besiedelt von seltenen Flechten. Diese Bäume haben eine besondere Bedeutung für die biologische Vielfalt und sind ein wertvoller Lebensraum für Käfer, Pilze, Vögel, Fledermäuse oder Flechten. Deshalb sollen sie im Staatswald erhalten und angereichert werden. Angestrebt werden in naturnahen Wäldern ungefähr zehn Biotopbäume je Hektar, im Forstbetrieb Sonthofen sind es bereits elf Stück pro Hektar. Darüber hinaus werden auch alte, sehr dicke Bäume, sogenannte Methusaleme nicht geerntet. Methusalem bei den Staatsforsten wird ein Baum, wenn er z.B. als Fichte oder Weißtanne in Brusthöhe mindestens einen Meter oder als Buche mindestens 80 cm Durchmesser hat. Diese Bäume werden mit zunehmenden Alter bis zum natürlichen Absterben ökologisch immer wertvoller.

Aber auch abgestorbenes und vermoderndes Holz spielt beim Waldnaturschutz eine sehr wichtige Rolle. Über 20% der im Wald lebenden Vögel und Säugetiere, sowie viele Pilze und Flechten sind auf Totholz angewiesen. Die abgestorbenen Bäume bieten ihnen die notwendige ökologische Nische. Deshalb soll stehendes und liegendes Totholz im Staatswald gezielt belassen und vermehrt werden. Soweit wie möglich verbleibt es auch in bewirtschafteten Beständen im Wald. Ziel ist es je nach Alter und Zusammensetzung der Wälder 20 bis 40 Kubikmeter Totholz je Hektar anzureichern. „Mit durchschnittlich 33 Festmetern je Hektar bzw. über 500.000 Festmetern Totholz im Sonthofener Staatswald bewegen wir uns deutlich über dem bayerischen Durchschnitt“, freut sich Forstbetriebsleiter Jann Oetting.

 

Den integrativen Weg beim Waldnaturschutz – Nutzen und Schützen auf gleicher Fläche – bei den Bayerischen Staatsforsten findet Revierförster Rainer Ruf gut und praktikabel, auch wenn er manchmal an seine Grenzen stößt. So dürfen die Waldarbeiter bei der Baumfällung nicht durch tote Bäume, die unkontrolliert umfallen können, gefährdet werden. Entweder wird der Gefahrenbereich nicht bearbeitet oder das Totholz muss gefällt werden. Auch an Waldwegen, Parkplätzen, Erholungseinrichtungen und Ähnlichem wird regelmäßig kontrolliert, ob Biotopbäume oder Totholz eine Gefahr für die Waldbesucher sind. Ist dies der Fall, werden sie beseitigt. Ein weiteres Beispiel, bei dem es zwischen Nutzen und Schützen abzuwägen gilt, ist die Borkenkäferbekämpfung und –profilaxe. Vom Borkenkäfer befallene Fichten sterben ab. Lässt man der Sache freien Lauf, würde in kurzer Zeit Totholz angereichert, aber zugleich würde sich der Borkenkäfer vermehren und große Schäden im bewirtschaftetem Wald verursachen. Deshalb gilt es, befallene Bäume rasch zu fällen und zu ernten. Ist der Borkenkäfer bereits ausgeflogen und der Baum abgestorben, kann er auch ohne negative Folgen als Totholz belassen werden.

„Bei allen kleinen Konfliktfeldern, die lösbar sind, bin ich ein klarer Verfechter des integrativen Waldnaturschutzes im Bayerischen Staatswald“, positioniert sich Forstbetriebsleiter Jann Oetting. „Darüber hinaus haben wir am Forstbetrieb Sonthofen ca. 1.300 Hektar Waldfläche an verschiedenen Waldorten in allen Forstrevieren als Naturwaldflächen ausgewiesen. Das sind naturnahe Wälder mit besonderer Bedeutung für die Biodiversität. Diese Wälder werden nicht bewirtschaftet. Auf Holznutzung wird bewusst verzichtet, damit eine natürliche, vom Mensch unbeeinflusste Waldentwicklung vonstattengehen kann und ökologisch wertvolle Trittsteine erhalten bleiben oder entstehen.“