Initiative „Gamserleben“

Beobachtungspunkt: Warmatsgund, Forstebtrieb: Sonthofen

Der Beobachtungspunkt liegt in unmittelbarer Nähe zur Kühgundhütte im Ski- und Wandergebiet Fellhorn und ermöglicht Einblick in einen typischen Sommerlebensraum der Gams. Auf dem Beobachtungspunkt ist man zu allen vier Seiten von Gamswildlebensraum umgeben.

Der Beobachtungspunkt ist insbesondere gut mit der Fellhornbahn und einem anschließenden, landschaftlich attraktiven ca. 1-stündigen Fußweg von der Fellhornbahn-Bergstation aus bis zur Kühgundhütte zu erreichen. Von dort ist es noch ein kurzer Weg von etwa 2 Minuten zum Beobachtungsplatz. Alternativ können Wanderbegeisterte den Punkt komplett zu Fuß über einen Wanderweg zu erreichen. Der Fußmarsch vom Parkplatz der Fellhornbahn Talstation in Faistenoy aus nimmt etwa 2 Stunden in Anspruch.

Der Weg ist bei beiden Varianten ein normaler Gebirgswandersteig. Er geht über Teer- und Schotterwege, aber auch über Wurzeln und Felsen, festes Schuhwerk wird daher empfohlen.

Am Beobachtungspunkt laden bequeme Holzbänken zum Ausruhen ein. Eine Informationstafel informiert zum Thema Gams und anderen vorkommenden Tierarten. Mit der fest installierten Beobachtungsoptik können Sie Ihr Glück versuchen… Vielleicht entdecken Sie auch den König der Alpen, den Steinbock.

Beste Beobachtungsmöglichkeiten bestehen in der Hauptwandersaison von Mai bis November.

PRESSEINFORMATIONEN

Erlen im Wirlinger Wald – Keine gewöhnliche Baumart

Bei einem typischen Erlenstandort ist immer Wasser in der Nähe (Foto: BaySF/K. Huschik).

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Besonders schöne Erlenbestände gibt es in der Nähe von Weilheim (Foto: BaySF/K. Huschik).

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11. Mai 2021, Sonthofen - Nach den Verwüstungen, die die Stürme Sabine und Bianka im vergangenen Jahr im Wirlinger Wald angerichtet haben, ist die Wiederaufforstung der Sturmflächen heuer und wohl auch noch im kommenden Jahr eine der Hauptaufgaben im Revier Buchenberg des Forstbetriebs Sonthofen. „Entgegen des normalen forstlichen Vorgehen, bei dem Kulturflächen durch vorausgehende Hiebsmaßnahmen ziemlich gut geplant werden können, haben sich die Unwetter natürlich nicht an Vorgaben oder waldbauliche Ziele gehalten,“ beschreibt Förster Markus König die Herausforderung im Wirlinger Wald: „So müssen wir Flächen mit unterschiedlichsten, zum Teil extremen standörtlichen Gegebenheiten bei der Baumartenwahl berücksichtigen, damit wir Erfolg bei der Anpflanzung der jungen Bäumchen haben!“

„Frage ich Laien nach Baumarten in unseren Wäldern, bekomme ich im Allgäu meist die Antwort Fichte, Tanne, Buche. Das ist natürlich richtig. Diese drei Baumarten stellen den Großteil heimischen Waldgesellschaft. Aber auch andere Baumarten übernehmen in der Vergesellschaftung mit den Hauptbaumarten eine wichtige Aufgabe“, weiß Sonthofens Forstbetriebsleiter Jann Oetting. „Im Allgäu müssen wir immer auch an Bergahorn und Schwarzerle sowie zukünftig auch an die Douglasie denken.“

Vor allem Sonderstandorte, die ausgesprochen nass sind, vom Grundwasser beeinflusst oder sogar zeitweise überschwemmt werden, sind Extremstandorte aus der Sicht von Bäumen. Hier ist die Schwarzerle oder Roterle, die zur Familie der Birken gehört, die Baumart der Wahl.

Bei so schwierigen Wuchsverhältnissen, ist die Erle anderen Baumarten überlegen und kann auf solchen Böden sogar größere Reinbestände bilden. Der Baum erreicht im Optimalfall eine Höhe von bis zu 25 m und einen Stammdurchmesser, der sich nahe an der Metergrenze bewegen kann.

Über 3000 Erlenbäumchen wurden jetzt Ende April, Anfang Mai im Wirlinger Wald bereits in den Boden gebracht. Später sollen unter dem Erlenkronendach entweder weitere Baumarten gepflanzt werden oder sie samen sich im Idealfall von selbst an. Dabei kommt ihnen eine ganz besondere Eigenschaft der Erle zugute: Sie bildet Wurzelknöllchen, in denen der Stickstoff der Luft gebunden wird. Dieser findet sich auch in den Blättern, so dass nach Laubabfall durch die Zersetzung der Blattmasse eine Verbesserung des Bodens stattfindet, fast wie bei einer Düngung.

Revierleiter Markus König nennt einen weiteren Vorteil: „Zusätzlich wird Konkurrenzvegetation wie die Brombeere, die sich bei uns extrem schnell auf Kahlflächen einstellt, durch das rasche Jugendwachstum der Erle rechtzeitig ausgedunkelt und kann sich nicht etablieren. Der Folgewald wird zudem vor Frost, Wind und Sonne geschützt.“

Wir sehen, dass die Roterle eine Baumart ist, die im Stillen ihre Funktionen ausführt, aber einen nicht unerheblichen Beitrag zum Gedeihen der Bäume beiträgt, die mit ihr zusammen aufwachsen. Da sie selbst nicht sehr alt wird, fällt die Erle dann meist in einem Alter aus, wenn die anderen Baumarten keines Schutzes mehr bedürfen und alleine einen Bestand bilden können.

Seinen Namen hat der Baum übrigens daher, dass sich das frisch geschnittene Holz rötlich verfärbt. Dieser Farbton war bis vor wenigen Jahren sehr beliebt. Daher stammt wohl auch der Name „Deutsches Mahagoni“, der in einer Zeit geprägt wurde, als Tropenhölzer v.a. im Möbelbau noch favorisiert wurden und die Erle wegen ihres niedrigeren Preises als Ersatz verarbeitet wurde. Heute ist der wirtschaftliche Faktor der Baumart - auch wegen seiner geringen statischen Eigenschaften - eher gering. Vor allem Spielzeug wird aufgrund der unproblematischen Bearbeitung gerne aus Erle hergestellt. Bis zum Beginn des 20sten Jahrhunderts wurde aus den Zapfen schwarze Tinte geschaffen und die Rinde zum Gerben verwendet. Von der Baumart Erle stammen auch Ortsnamen wie Erlach, Erlbach oder auch Irlach.

Eine ganz besondere Verwendung fand die Erle im Wasserbau: Ihr Holz ist unter Wasser extrem widerstandsfähig und kann durchaus mit der Eiche verglichen werden. Nochmals Förster Markus König: „So sind die Hälfte der Pfähle, auf denen Venedig steht, aus Erle. Die Erle hat also durchaus ihre Bedeutung. Man muss sie nur ihren Eigenschaften entsprechend verwenden. Und vielleicht kommt ja später mal ein Wasserbaupfahl für die Renovierung in Venedig aus dem Wirlinger Wald…?“