Initiative „Gamserleben“

Beobachtungspunkt: Warmatsgund, Forstebtrieb: Sonthofen

Der Beobachtungspunkt liegt in unmittelbarer Nähe zur Kühgundhütte im Ski- und Wandergebiet Fellhorn und ermöglicht Einblick in einen typischen Sommerlebensraum der Gams. Auf dem Beobachtungspunkt ist man zu allen vier Seiten von Gamswildlebensraum umgeben.

Der Beobachtungspunkt ist insbesondere gut mit der Fellhornbahn und einem anschließenden, landschaftlich attraktiven ca. 1-stündigen Fußweg von der Fellhornbahn-Bergstation aus bis zur Kühgundhütte zu erreichen. Von dort ist es noch ein kurzer Weg von etwa 2 Minuten zum Beobachtungsplatz. Alternativ können Wanderbegeisterte den Punkt komplett zu Fuß über einen Wanderweg zu erreichen. Der Fußmarsch vom Parkplatz der Fellhornbahn Talstation in Faistenoy aus nimmt etwa 2 Stunden in Anspruch.

Der Weg ist bei beiden Varianten ein normaler Gebirgswandersteig. Er geht über Teer- und Schotterwege, aber auch über Wurzeln und Felsen, festes Schuhwerk wird daher empfohlen.

Am Beobachtungspunkt laden bequeme Holzbänken zum Ausruhen ein. Eine Informationstafel informiert zum Thema Gams und anderen vorkommenden Tierarten. Mit der fest installierten Beobachtungsoptik können Sie Ihr Glück versuchen… Vielleicht entdecken Sie auch den König der Alpen, den Steinbock.

Beste Beobachtungsmöglichkeiten bestehen in der Hauptwandersaison von Mai bis November.

PRESSEINFORMATIONEN

Holunder: Mehr als Schutz vor Hexen und Blitzschlag

Ein mächtiger Holunder im Staatswald bei Buchenberg (Foto: BaySF/M. König).

Download

13. Juli 2021, Sonthofen - Um diese Jahreszeit kann man ihn wieder fast überall an Wegrändern oder auf Lichtungen im Wald blühen sehen: Den Holunder, ein Waldstauch mit vielen Fähigkeiten erlebt eine Renaissance im Allgäu. Als Hecke, Gebüsch, aber auch als kleiner Baum vorkommend, kann er mit einer Größe von bis zu sieben Meter imposante Ausmaße erreichen. Insbesondere, wenn er in voller Blüte steht, ist er eine wahre Augenweide.

Die aus unzähligen Einzelblüten bestehenden Schirmrispen bedecken fast die ganze Pflanze. „Die Blüten bilden eine wertvolle Nahrungsgrundlage für viele Insekten wie Schmetterlinge, Wildbienen und Schwebfliegen und die Beeren bereichern das Nahrungsangebot der Vögel. Am Waldrand ohnehin gerne von uns gesehen, wird er auch bei Pflegemaßnahmen in Kulturen und Jungbeständen wo immer möglich belassen. So fördern wir die Artenvielfalt“, beschreibt Revierleiter Markus König, warum er den Holunder gerne im Wald lässt. König pflegt für den Staatsforsten-Betrieb Sonthofen große Bereiche des Wirlinger Walds.

Man unterscheidet etwa zehn verschiedene Holunderarten. Am bekanntesten ist der „Schwarze Holunder“. Weil er bei der Standortwahl sehr anspruchslos ist, ist er im Allgäu eine der häufigsten Straucharten. Man findet ihn überall: Ob als Erstbesiedler offener Flächen oder im Halbschatten auf feuchten humosen Böden. Letztere liebt er besonders. Der Holunder ist wegen seiner Robustheit ein Überlebenskünstler. Zudem ist er extrem frosthart, hat bei Beschädigungen ein unglaubliches Regenerationsvermögen und treibt immer wieder aus.

Nochmal Förster Markus König: „Seine botanische Bezeichnung ´sambucus nigra` geht wohl auf ein harfenähnliches Instrument aus der Antike zurück. Das wurde aus Holunderholz hergestellt und ´Sambuche` genannt. ´nigra` weist auf die dunkelvioletten, fast schwarzen Beeren hin. Im Mittelalter war der Holunder eine Allrounder-Heilpflanze für kleinere Alltagsbeschwerden. Und weil er fast überall vorkam, wurde er auch als ´Apotheke des kleinen Mannes` bezeichnet. Auch Farbstoff für Haar und Leder konnten mit geringem Aufwand selbst hergestellt werden. Der Holunder wurde sogar so verehrt, dass erzählt wird, dass man beim Vorbeigehen den Hut zog oder einen Knicks machte und es angeblich Unglück brachte, wenn er einfach abgeholzt wurde. Im Hausgarten gepflanzt, schützte er vor Hexen, Feuer und Blitzschlag.“

Lange Zeit in Vergessenheit geraten, findet Holunder heute in vielen Bereichen der Naturheilkunde wieder Beachtung. Staatsforsten-Revierleiter Markus König beobachtet: „Viele Menschen besinnen sich auf traditionelle Heilmethoden und wollen dort, wo es möglich ist, mit Naturheilmitteln auskommen. Hier zeigt sich der Holunder als Multitalent: Fast alle Teile des Holunders können, richtig verwendet, Linderung bei verschiedensten Beschwerden liefern: Tees aus Rinde oder Blütenständen sind ein bewährtes Hausmittel gegen Erkältungen. Tees aus Blättern sollen Blasenleiden, Grippe oder Magenbeschwerden mildern helfen.“ Diese Wirkungen sind erwiesen. Bei schlimmen oder chronischen Beschwerden ersetzen sie aber den Arztbesuch nicht. Auch Holunderöl, gewonnen aus den Samen, findet in Pharmazie und Medizin Anwendung.

Auch in der traditionellen Küche fand und findet Holler Verwendung. Revierleiter Markus König vermutet: „Wahrscheinlich sehe ich deshalb wieder öfters Menschen, die die Blüten oder Beeren im Wald ernten, um die eine oder andere Leckerei zuzubereiten.“ Die Bitte des Försters: „Wie bei allen Pflanzen, die man im Wald sammelt, nur Blätter, Blüten oder Beeren pflücken. Auf keinen Fall ganze Äste abbrechen oder gar den Strauch abschneiden.“

Aus den Blüten werden Sirup gemacht oder Holderküchel gebacken. Aus den Beeren kann man Saft oder Gelee gewinnen und Liköre herstellen. Aber Vorsicht: Die Beeren sind leicht giftig und können Brechreiz hervorrufen. Deshalb sollten sie vor dem Verzehr oder der Weiterverarbeitung unbedingt aufgekocht werden. „Mit ein wenig Kenntnis um die Besonderheiten und Fähigkeiten, sieht man den Holunder nun vielleicht mit etwas anderen Augen und kann verstehen, warum er so geschätzt war. Und als Förster fühl ich mich im dunklen Wald doch gleich sicherer, wenn ich weiß, dass ein Holunder in der Nähe ist, der die Hexen vertreibt …“ schmunzelt Markus König.